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Wie ihr sicherlich wisst, arbeiten wir in der Regel primär online zusammen und nutzen die damit verbundene Freiheit, nicht zu festen Zeiten an festen Orten sein zu müssen. Dennoch ist es gut, sich gelegentlich auch von Angesicht zu Angesicht zu begegnen - immer mal wieder in kleineren Konstellationen, aber in der Regel einmal im Jahr auch mit möglichst allen. Unser Ziel war in diesem Februar: Kiel, die Heimat von Janto und Mo.
Reunite 2020 haben wir unser gemeinsames verlängertes Wochenende getauft, denn genau darum sollte es gehen: Sich als Team wieder besser zusammenzufinden, menschlich weiter zusammenzuwachsen und im Kreise aller weniger über die Technik, sondern mehr über unsere Unternehmung als Ganzes zu sprechen: Wo stehen wir, welche Werte sind uns wichtig, wo möchten wir gerne hin? Denn dass wir letztlich ein greifbares Produkt haben, ist ja immer auch ein Ausdruck davon, wie wir zu dieser Welt beitragen wollen - denn das geht über ein Produkt hinaus.
Willkommen in Kiel
Nach den Erfahrungen der letzten Jahre war klar, dass es nicht viel Sinn ergibt, am Anreisetag noch irgendeine Form von Programm über’s Knie zu brechen. Nach teils stundenlanger Fahrt - die die Bahn nicht selten mit ein paar nettern Verspätungen garniert - ist man meistens dann doch einfach froh, angekommen zu sein. Mo und Janto haben es uns dafür in der Alten MU so richtig gemütlich gemacht: schöne Dekoration, gute Musik, handgemachte Schnittchen und famose selbst gemixte Cocktails haben es leicht gemacht, jeglichen Reisestress einfach abfallen zu lassen und sich sofort Zuhause zu fühlen.

Habemus Betriebsrat!
Wohl kaum ein Ereignis der letzten Zeit hat bei Außenstehenden für so viele erstaunte Gesichter gesorgt wie dieses: Wir haben nun einen Betriebsrat, genauer gesagt: eine Betriebsrätin. Mich als Unternehmer freut das außerordentlich, und das ist vielleicht ein wenig erklärungsbedürftig, vor allem, wenn man sich dem Themenkomplex sonst nur über eine Suchmaschine nährt - denn von trockenen Sachinformationen abgesehen fallen viele Informationen, die sich dazu finden lassen, in eine von zwei Kategorien: “Ich möchte in unserem Unternehmen gerne einen Betriebsrat gründen, aber habe solche Angst davor, dass ich dann als Querulant wahrgenommen werde” oder aber an Unternehmer gerichtete Informationen aus der Kategorie “Betriebsrat - wie werde ich ihn los in zehn Tagen”. Dass ein Betriebsrat hingegen auch etwas Gutes und ausgesprochen Sinnvolles sein kann: Über solch unspektakuläre Geschichten findet man leider erstmal wenig.
Mitte 2018 hatte ich damalige Berichte darüber, wie insbesondere Startups teilweise unverholen Betriebsratsgründungen zu verhindern versuchen, zum Anlass genommen, in unserem Teamchat einmal explizit anzusagen, dass ich - als Arbeitgeber! - diese Entwicklung mit Sorge betrachte, und habe dabei klargestellt, dass ich eine Betriebsratsgründung keineswegs als ein Problem, sondern vielmehr als wünschenswert betrachte. Schließlich betrachtet auch das Betriebsverfassungsgesetz die Schaffung eines Betriebsrats weder als ein “Recht” noch als eine “Pflicht”, sondern mit der geradezu weissagerischen Formulierung …
In Betrieben mit in der Regel mindestens fünf ständigen wahlberechtigten Arbeitnehmern, von denen drei wählbar sind, werden Betriebsräte gewählt.
… als eine Selbstverständlichkeit: In Betrieben werden Betriebsräte gewählt. So nun also auch bei uns.
Mein persönlicher Samstagmorgen begann insofern mit einer Runde “Draußenbleiben”, denn eine Betriebsversammlung zur Wahl eines Wahlvorstands (ja, alles ein bisschen kompliziert) ist eben für Angestellte - nicht für Chef. Ganz im Sinne des “Reunite” sollte es aber der einzige Moment bleiben, in dem meine Anwesenheit ausdrücklich ausgeschlossen war. Die eigentliche Betriebsratswahl fand dann gesetzeskonform eine Woche nach der Wahl des Wahlvorstands statt.
Die Betriebsratsgründung stand von Anfang an unter dem Zeichen: Besser, wir gründen ihn, während alles gut läuft, und nicht erst dann, wenn irgendwo Konflikte brodeln. So gilt es denn nun in den kommenden Wochen und Monaten auch erstmal herauszufinden, was wir mit diesem neu geschaffenen Instrument tatsächlich anfangen. Aus Angestelltensicht ist es auf jeden Fall eine Verbesserung, aus einem Zustand, bei dem auch jetzt schon meinerseits viel Wert auf Mitsprache jeder und jedes Einzelnen gelegt wird, ein echtes Mitsprache_recht_ zu machen, das nicht von meinem Gutdünken abhängt. Aus meiner persönlichen Perspektive ist es gut, wenn Angestellte, die mit mir persönlich irgendeinen Konflikt haben, bei dem sie nicht wissen, wie sie damit umgehen können, nun eine konkrete Person an ihrer Seite haben, die ihnen dabei helfen kann - analog dazu, wie ich das umgekehrt in regelmäßigen Check-Up-Gesprächen versuche, wenn es Konflikte zwischen Leuten im Team gibt, die oft schon mit nur einem Hauch Moderation gut gelöst werden können.
Uberspace 2025 - Die Fünf-Jahres-Fantasie
Es hat seinen Grund, warum ich diesen Abschnitt nicht den Fünf-Jahres-Plan, sondern vielmehr die Fünf-Jahres-Fantasie getauft habe. Denn Fantasie ist wichtig - Fantasie setzt Abstand voraus, sie setzt auch den Mut voraus, auch verrückte Ideen zu äußern, und vor allem: Klein denkt man im Alltag oft ganz automatisch, wenn es nämlich an die konkrete Implementierung von Ideen geht, aber um groß zu denken, muss man sich Zeit nehmen und sich vor allem auch ein wenig davon lösen, jede Idee direkt unter der Perspektive von “Haben wir dafür Zeit? Lässt sich das bezahlen? Ist das überhaupt wichtig?” zu betrachten. Deshalb war mein Ansatz, die Fragestellung nicht so sehr auf den Weg zu fokussieren, also auf die Frage, was wir in den nächsten fünf Jahren tun wollen, sondern vielmehr einen Zeitsprung zu machen und an jede einzelne Person die Frage zu richtigen: Was glaubst du - wie wird Uberspace 2025 sein; wie sollte es sein? Wieviele werden wir sein, wie werden wir arbeiten, was wird unser Produkt sein, was unsere Werte? Denn ich bin der Meinung, dass vor dem “Können wir das?” und “Wie kriegen wir das hin?” erst einmal das Wollen steht: Es geht hier nicht um die Erfüllung von Aufgaben und Zielen, sondern darum, unsere Ziele gemeinsam zu finden.
Auch wenn ich meine heutige Erinnerung an unser Reunite Revue passieren lasse, verspüre ich noch einen gewissen Stolz darüber, mit einem Team arbeiten zu dürfen, dem es gar nicht sonderlich schwer zu fallen scheint, sich von den alltäglichen Beschränkungen zu lösen und einer Aufforderung, mal größer und weiter zu denken, ohne Umschweife nachkommen kann - ist doch das Äußern einer Idee immer auch ein Stück Vorzeigen seiner Person, nicht selten mit der Scheu verbunden, von anderen vielleicht kritisiert oder auch ausgelacht zu werden. Ich kann jedem anderen Team nur empfehlen, ein Klima zu schaffen, in dem klar ist, dass genau das nicht passiert: Dass man jede Person ernst nimmt und damit auch jede Idee, die eine Person äußert. Natürlich ist nicht jede Idee durchdacht - und muss es auch nicht sein! - aber es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der andere dann eher sagen “Hm, okay, so geht das vielleicht nicht, aber vielleicht so..?” und sich generell nicht auf die Suche nach dem “Aber” und dem “Nein”, sondern auf die Suche nach dem “Ja” und dem “Und außerdem noch:” machen. Und selbst wenn man am Ende selbst seine eigene Idee gar nicht mehr so gut findet: Auch dann kann sie immer noch andere inspiriert haben, oder sie wurde in eine Richtung weiterentwickelt, an die die vorschlagende Person noch gar nicht gedacht hatte.
Im Laufe eines Tages ist so ein umfangreiches Sammelsurium entstanden, aus dem ich dann - auf Basis dessen, was Einzelne als ihre thematische Priorität bezeichnet haben und/oder was gleich von Mehreren als wichtig betrachtet wurde - sechs Themenkomplexe abgeleitet haben, die wir nun parallel zu unserem Alltag aus Operations, Entwicklung, Support, Marketing etc. in kleinen Teams entwickeln. Dabei geht es oft noch gar nicht um ein bestimmtes Ziel, sondern darum, Möglichkeiten auszuloten - oder überhaupt erstmal die Fragen zu identifizieren, deren Beantwortung wir für wichtig halten. Konkret geht es hierbei um diese Themenkomplexe:
Unternehmensform
Wie ihr schon im Impressum sehen könnt, ist Uberspace derzeit ein Einzelunternehmen, sprich: Ich, Jonas, “bin” das Unternehmen und damit die selbstständige Person im Team, während alle anderen bei mir angestellt sind. Das ist nun bereits seit 18 Jahren so - und es ist an der Zeit, auf den Prüfstand zu stellen, ob das noch so bleiben soll oder nicht. Das Thema hat viele Facetten - um nur einige zu nennen:
- Was ist der Plan B, wenn mir persönlich mal etwas passieren sollte? Derzeit ist Einiges über Vollmachten geregelt, aber dennoch wäre im Fall der Fälle die Situation vorsichtig gesagt komplex.
- Irgendwann möchte ich auch mal in Rente gehen, und auch wenn das gefühlt in weiter Ferne liegt: Uns allen ist klar, dass wir gemeinsam mit Uberspace etwas geschaffen haben, das über die Mitarbeit meiner Person hinaus fortbestehen soll.
- Auf philosophisch-abstrakter Ebene würde uns allen - inklusive mir selbst - ein Konstrukt mehr zusagen, das nicht mehr nur mir, sondern vielmehr uns gehört, weil es deutlich besser repräsentiert, wie wir miteinander arbeiten. Mitbestimmung wäre dann nicht mehr so wie jetzt meine persönliche, theoretisch jederzeit revidierbare Praxis, und auch nicht nur über den Hebel des Betriebsrats realisiert, sondern ein nativer Teil des Unternehmens.
Am Ende gibt es einen fließenden Übergang zu sehr allgemeinen Fragen des Kapitalismus (und der allfälligen Kritik daran), mit der wir uns gerne tiefer beschäftigen wollen - Stichwort Wirtschaft hacken.
Diversity
Es ist kein Geheimnis, dass die IT-Branche von männlichen, weißen Personen dominiert wird, und dass niemand so recht weiß, wie sich das ändern ließe. Wenn Konferenzen schon extra Blindeinreichungen ohne Namen erbitten, strikt nach Vortragsqualität/Eignung gehen, ihre Auswahl treffen, dann die Namen aufdecken und feststellen, dass ihr Speakerpanel rein männlich ausfällt, dann ist das keine Aussage darüber, dass die Einreichungen nicht-männlicher Personen qualitativ irgendwie schlechter wären, sondern nicht selten schlicht eine Frage der Statistik: Wenn eben nur ein Bruchteil der Datenbasis von unterrepräsentierten Personengruppen stammt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sich eben auch in einem Speakerpanel auch nur ein Bruchteil jener Personengruppen findet - im schlechtesten Fall eben gerundet Null. Man kann nun darüber streiten, ob es richtig ist, die Konferenz dann lieber ganz abzusagen, oder ob man lieber sagen sollte: Wir haben schlicht nach Qualität ausgewählt, und dann ist das Ergebnis so - fest steht: Wenn man weit unterdurchschnittliche Diversität als ein Problem sieht (und das tun wir), so hat derzeit niemand eine wirklich gute Lösung dafür. Wir sind da keine Ausnahme: Mit zwei Frauen - davon eine im technischen Bereich - in einem Team von elf Leuten insgesamt mögen wir im IT-Branchenschnitt zwar vielleicht sogar schon überdurchschnittlich “gut” dastehen, aber dennoch eint uns das Gefühl, dass das irgendwie immer noch besser ginge. Und auch wenn sich von einem Vornamen nicht immer sicher auf ein Geschlecht schließen lässt: In Bewerbungsverfahren, im Support oder bei Stickerbestellungen (das sind die drei Bereiche, in denen wir regelmäßig mit Vornamen in Kontakt kommen) ist auch ohne exakte statistische Auswertung völlig offensichtlich, dass wir da nahezu ausschließlich mit männlichen Personen zu tun haben.
Wir möchten gerne zu mehr Diversität kommen. Wie wir das hinkriegen, auch damit beschäftigen sich jetzt einige von uns.
Bildung
Ich selbst bezeichne Uberspace manchmal als Bildungs-Unternehmen mit angeschlossenem Hosting-Betrieb. Nicht zuletzt im Support können wir oftmals den sprichwörtlichen Groschen geradezu lautstark fallen hören - und wir wollen mehr davon: Wir wollen - wieder - ein grundlegendes Verständnis dafür wecken, dass das Internet etwas ist, an dem jeder Mensch teilnehmen kann - auch außerhalb etablierter Plattformen. Dazu wollen wir Erfolgserlebnisse verschaffen und die digitale Kluft zwischen “denen, die die Systeme beherrschen” und “denen, die von den Systemen beherrscht werden” verringern: Nicht jeder Mensch muss programmieren können, aber jeder Mensch kann sehr wohl als “einfache/r Anwender/in” sein - uns ist wichtig, dass die Menschen, die einen Funken Neugier mitbringen, jenen auch entwickeln können.
Bereits heute zählen wir einige Schulen bei uns - und zwar nicht nur für den Betrieb ihrer eigenen Website, sondern vielmehr auch im Unterricht: Schüler bekommen so die Möglichkeit, in Kontakt mit einem Linux-System und einer Shell zu kommen und sich darauf Grundlagenwissen zu erarbeiten. Hier wollen wir ausloten, welche Möglichkeiten wir haben, diesen Bereich künftig noch mehr zu stärken - in Schulen, möglicherweiseweise aber auch im Bereich des E-Learning oder Anderswo.
Political Standing
Wir verstehen uns bisher als Hostinganbieter, bei dem alles gehostet werden kann, was legal ist - was nicht heißt, dass uns alles gleichermaßen gut gefällt, aber durch das reine Hosting machen wir uns ja nicht die jeweiligen Positionen unserer User zu eigen. Dennoch wird uns gelegentlich auch einerseits Unverständnis entgegengebracht, dass wir diesen oder jenen vielleicht eher grenzwertigen Content hosten; andererseits gibt es auch Dinge, die unseren eigenen Wertvorstellungen so sehr entgegenstehen, dass wir sie lieber nicht bei uns sehen würden. In der Vergangenheit haben sich alle problematischen Fälle letztlich über eindeutige Rechtsverstöße wie zum Beispiel ein - auch nach Aufforderung zur Nachbesserung - fehlendes Impressum regeln lassen, auch wenn das beispielsweise zur Folge hatte, dass ich persönlich mich dafür als “Zensurfaschist” habe bezeichnen lassen müssen und mir angedroht wurde, das würde ich “noch bereuen”. Dennoch war hier unsere Grenze eine klare und nachgewiesene Rechtsverletzung. Es mehren sich jedoch auch teamintern Stimmen, die sich wünschen, dass wir bestimmte Inhalte - insbesondere aus dem Bereich der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit - bei uns per Hausordnung ausschließen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass es durchaus genug Content gibt, dessen Autoren schlau genug sind, immer gerade haarscharf an der Grenze des Legalen entlangzuschrammen, sie aber nicht zu überschreiten - und wir uns zunehmend die Frage stellen, ob wir es als höheren Wert betrachten, auch solchem Content im Sinne der Meinungsvielfalt bei uns einen Platz einräumen, oder ob wir uns hier lieber stärker positionieren wollen und bei Usern, die Inhalte bei uns hosten, die zwar noch nicht dem strafrechtlich relevanten Bereich zuzuordnen sind, aber dennoch ziemlich offensichtlich gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit an den Tag legen, möglicherweise schlicht von unserer privatwirtschaftlichen Vertragsfreiheit Gebrauch machen und jenen Usern - ordentlich und fristgerecht, da ja kein Rechtsverstoß vorliegt - kündigen. Auch hier beschäftigt sich bei uns nun ein Team damit, einen Vorschlag zu erarbeiten, für den sich in unserem Team ein Konsens finden lässt.
Public Relations
Auf der einen Seite haben wir noch nie wirklich “Werbung” im klassischen Sinne gemacht. Auf der anderen Seite ist trotzdem nahezu alles, was wir tun, auch irgendwie mit Marketing verbunden: Jedes Gespräch, dass wir mit jemandem führen; jeder Sticker von uns, der auf irgendeinem Laptop klebt; jeder Tweet eines Users, der von den Erfahrungen mit uns berichtet. Das PR-Team beschäftigt sich mit der Frage unserer Außenwirkung - wie wir wahrgenommen werden, wie wir wahrgenommen werden wollen, und was dafür nötig ist. Denn: Bekannter werden möchten wir durchaus gerne - aber eben auch authentisch bleiben, und abgesehen davon, dass wir nicht das Geld hätten, um einen TV-Werbespot in der Halbzeit eines Bundesliga-Spiels ausstrahlen zu lassen - es würde auch so gar nicht zu uns passen. Unser bisheriges Wachstum fußt fast ausschließlich auf Empfehlungen - darauf sind wir durchaus auch ein bisschen stolz. Aber gibt es zwischen “Das reicht dann auch an Öffentlichkeitsarbeit” und “Lasst uns mal fett irgendwo Werbung machen” vielleicht einen Level, der auch noch gut zu uns passt und dennoch ermöglicht, noch so ein kleines bisschen zu wachsen? Denn Hand aufs Herz: Ein, zwei Leute mehr (oder auch drei oder vier) wären wir perspektivisch schon ganz gerne, denn wir merken schon, dass wir im Support oder in der Entwicklung durchaus an Punkte stoßen, wo wir merken: Es wäre fein, wenn Dinge etwas zügiger vorangehen könnten. Also wollen wir mal herausfinden, was wir in dieser Richtung hinkriegen können.
Finca
Je älter ich werde, desto weniger kann ich den grauen Winter leiden. Vor einigen Jahren mal ganzen Wintermonat lang in Thailand zu verbringen (ich hatte eine Trennung zu verarbeiten und wollte den zu erwartenden mitleidig-tröstenden Umarmungen in der Weihnachtszeit entgehen) zählt nach wie vor zu den großartigsten Dingen, die ich in den letzten Jahren erleben durfte.
Und mit diesem Wunsch bin ich nicht alleine - und so wurde aus den Wünschen Einzelner, irgendwie dem grauen Winter zu entgehen, kombiniert mit dem Wunsch, mehr persönlich miteinander zu arbeiten statt nur remote, und weitergehend kombiniert mit dem Gedanken, dass wir - für eine begrenzte Zeit - eigentlich auch mal ein bisschen gemeinsamen Alltag sehr unterhaltsam finden, stand plötzlich die Idee im Raum, uns einen solchen Ort, wenn es ihn doch bisher nicht gibt, dann eben zu schaffen.
Das Finca-Team hat bereits eine Liste an Wünschen und Anforderungen zusammengestellt (z.B. dass wir gerne innerhalb der EU an einem per Zug erreichbaren Ort bleiben würden) und schaut jetzt einfach mal, ob wir es hinkriegen, sowas einfach mal auszuprobieren und eine gemeinsame Reise zu unternehmen, um mal für eine gewisse Zeit an einem Ort gemeinsam zu arbeiten - und aus unseren Erfahrungen abzuleiten, ob wir das dann wieder einstampfen oder aber noch ausbauen wollen. Das mag vielleicht im ersten Moment ein wenig aufgesetzt wirken, aber: Am Ende sind unsere Jobs ja auch Teil unseres Lebens, und wir teilen das großartige Privileg, nicht nur professionell miteinander auszukommen, sondern uns untereinander aufrichtig gern zu haben; so sehr, dass der Wunsch nach einem gemeinsamen Ort nicht ungehört bleiben soll. Also fangen wir an, herauszufinden, ob das realistisch ist.
Persönliche Entwicklung
Am Ende dieser Session waren wir voller Ideen für Uberspace - aber ein Aspekt war mir noch wichtig:
Als Team sind wir eine Gruppe von Individuen und damit auch persönlichen Eigenarten, Wünschen und Zielen. Die Atmosphäre war gelöst und offen und für mich insofern eine gute Basis, noch einen Schritt weiter zu gehen und nach den persönlichen Zielen jeder und jedes Einzelnen zu fragen - und zwar bewusst unter der Perspektive, dass niemand genötigt wird, hier etwas zu sagen, und dass die Ergebnisse auch nicht protokolliert werden, sondern einem besseren Kennenlernen dienen - und danach, dass wir die Ausrichtung unseres Unternehmens damit in Einklang bringen können, wie sich Leute entwickeln wollen: Welche Aufgabenbereiche wollen sie loswerden? Welche Interessen hat jemand; finden wir im Unternehmen Bereiche, in denen diesen Interessen nachgegangen werden kann? Selbst wenn es um Dinge geht, die letztlich gar nichts mit Uberspace zu tun haben - es ist spannend, welche Vorstellungen Menschen von ihren persönlichen nächsten Jahren haben, und ich halte es es für geboten, dass wir bei der Art und Weise, wie wir gemeinsam arbeiten, nach Möglichkeit lieber aufgreifen, wie Leute sich selbst entwickeln wollen und welche Schwerpunkte sie für ihr Leben setzen wollen, als die Belange des Unternehmens grundsätzlich höher zu gewichten. Denn Herzblut lässt sich nicht erzwingen - wenn ich mir auch weiterhin wünsche, dass in Uberspace unser aller Herzblut steckt, dann muss es eben nicht nur die Wünsche unserer User abbilden, sondern auch unsere eigenen Ziele und Ideale.
Wie versprochen bleiben diese Dinge innerhalb unseres Teams. Ich habe mich auf jeden Fall sehr gefreut und habe sehr zu schätzen gewusst, dass die meisten im Team den Mut gefunden haben, ihre Vorstellungen für ihre persönliche Zukunft in unserer Runde zu teilen - das war spannend, hilfreich und für mein Empfinden auch Vertrauen bildend.
Socializing-Sonntag
tbd